Uris Monolog füllt fünf Buchseiten und am schluß muß selbst sein "Entdecker" über soviel Borniertheit den Kopf schütteln: "Jitzchak und ich sahen einander an und versuchten eine Antwort für diesen unverschämten Ischüchtigen zu finden. Unsur Uri-Problem war vielschichtig. Einerseits mochten wir ihn persönlich wegen seiner Aufrichtigkeit und seines bübischen Charmes sehr gern, anderseits waren wir betrübt ob seiner kurzsichtigen und primitiven Lebenseinstellung und seiner verzweifelten Gier nach Sicherheit und Anerkennung. Eine Antwort zu finden, war verzwickt, so schlug ich vor, nach Jaffa zum Essen zu fahren ... "Das war eine zweifellos geniale Lösung, vergleichbar der in Meyrinks ""Golem": weder ja noch nein zu sagen, sondern ein drittes zu tun.
Diese Charakteristik Gellers ist aus mehreren Gründen wichtig:
Bei anderen Dingen aber wieder nimmt er es nicht so genau, etwa wenn Uri Geller als eine Episode aus seiner Kindheit erzählt, irgendwann sei einmal ein UFO gelandet, es seien Leute drin gewesen, die sich mit ihm in Verbindung gesetzt hätten ...
Das kam Puharichsehr bekannt vor, hatte er doch selbst einige Jahre zuvor in Brasilien UFO-Erlebnisse. Und so etwas unter UFO-Fans in Zweifel ziehen zu wollen, ist wahrscheinlich unstatthaft ...
Das ist der Hauptgrund, daß Puharichs Uri-Buch mehr einer Münchhauseniade als einer wissenschaftlichen Arbeit ähnelt, daß er eine Menge Kritik einstecken muß und sich ein Verleger für eine Übersetzung ins Deutsche partout nicht finden wollte. Psi - ja, dematerialisierte Tonbandkassetten - geht noch an, Stimmenphänomene auf den Tonbändern - auch noch. Aber Extraterrestrische, die ihre Eizes für Andrija und Uri auf Band sprechen und deren Bänder dann vernichtet werden müssen beziehungsweise sich in einer Art Automatik gleich selbst vernichten? Das ist in deutschen Landen allemal noch starker Tobak. Besonders, nachdem zuerst fünf-, später vierstellige Dollar-Tantiemen verlangt wurden.
Einige Botschaften sind überdies halb politischen inhalts, etwa die nach einem Hypnoseversuch mit Uri zustande gekommene: "Ich blicke nun über die Ebene in Sinai, wo riesige Mengen von Panzern fahren. Grieft zuerst an! Zögert nicht! In Khartum und Ägypten konnte es viele Tote geben. Sadat wird von seinen Offizieren abgesetzt werden. Syrien wird angreifen. Jordanien wird nicht intervenieren. Es wird viele ägyptische Soldaten in Jordanien geben. Du, du bist der einzige, der die Menschheit retten kann. Die Erde wird vom Menchens selbst in die Luft gejagt, nicht durch uns. Uri, dir wurden unermeßliche Kräfte geschenkt, du kannst alles und jedes tun. Uri, du bist sehr mächtig . Ich werede dich rufen, wenn ich dich brauche."
Die kommunistische Wiener "Volksstimme" gab denn auch nach Uris Auftritt im österreichischen Fernsehen einem breiten Kommentar Raum, in dem Geller "Gesundbetter ber Bourgeoisie" genannt wird: "Mann muß die Weisheit nicht mit dem Löffel gefressen haben, auch nicht mit verbogenem, um zu bemerken, daß ausgerechnet zum Zeitpunkt einer weltweiten Isolierung des Aggressors Israel und des militärpolitischen Debakels der Regierung Meir-Dayan der ehemalige israelische Fallschirmspringer im Sechstagekrieg Uri Geller als unterschwellige psychologische Wunderwaffe eingesetzt wird ... " (Volkisstimme, 7. 3. 1974).
Ein Kommentar erübrigt sich.
Viel sehwerer als ideologische Einwände wiegt jedoch, daß Puharich keine anderen Erklärungsmöglichkeiten in Erwägung zieht. Die stimme aus Uris Mund ist, sagt er, völlig verschieden von seiner gewöhnlichen: das ist im Beweis genug für deren außerirdische Provenienz. Schließlich verkehren jene extraterrestrischen Intelligenzen "Spectra" auch direkt mit Puharich, indem sie die Zeiger seiner Armbanduhr plötzlich stoppen oder beschleunigen. Tun sie das, hat Puharich sofort zu beten, damit Sadat nicht einen neuen Krieg gegen Israel beginne (dieser, so wurde Puharich angezeigt, sei für den 26. Dezember 1971 vorgesehen). Der Kreig bricht nicht aus, und Puharich ist glänzend bestätigt : seine Gebete haben gewirkt!
Wer staudenmaiers und anderer ernsthafter Naturforscher Arbeiten über die Zentren des Unterbewußtseins und deren magische Fähigkeiten gelesen hat, dem drängen sich natürlich andere Deutungen auf. Wer mag annehmen, daß Puharichs Erzählungen stimmen? Daß also das Geschilderte wahr, "wahrnehmbar" im Sinn Einsteins ist?
Erwas wissenschaftlicher gingen Russell Targ und Harold Puthoff ze werk. "Etwas" bedeutet: auch ihre Arbeit hat Lücken.
Es ist jene Publikation, die in "Nature" veröffentlicht wurde und damit Geschichte machte - es war die erste parapsychologische Arbeit in diesem Naturwissenschaftlichen Magazin.
Da fehlt zum Beispiel das Datum der Tage, an denen mit Uri Geller gearbeitet wurde - man kann nur vermuten, daß die Tests im Sommer 1973 stattfanden. Andere Einwände machen die Herausgeber selbst in ihrem Leitartikel, der recht hübsch das naturwissenschaftliche Selbstverständnis in Relation zur Parapsychologie wiedergibt:
"Die Abhandlung war schwach in Anlage und Ausführung ... die Autoren scheinen aus früheren (negativen) Erfahrungen von Parapsychologen nichts gelernt zu haben ... Öffnung eines Wörterbuches nach einem Zufallssystem ist ein kindlicher, vager und unnötig angreifbarer Weg, Zufallsverteilungen herzustellen ... das zeigt einen Mangel an experimenteller Geschicklichkeit, der leicht zur Ursache anderer Fehler werden konnte, die aus dem Geschriebenen weniger klar zutage treten."
Trotzdem entschied sich "Nature" für die Veröffentlichung: "Die Arbeit wird von zwei qualifizierten Wissenschaftlern einer bedeutenden Institution vorgelegt ..., die versucht haben, unter Laboratoriumsbedingungen Erscheinungen zu untersuchen, die vielen Wissenschaftlern unglaubwürdig erscheinen, die aber nichtsdestoweniger der Untersuchung wert sind, auch wenn dies zu nagativen Ergebnissen führen sollte. Wenn Wissenschaftler die Möglichkeit außersinnlicher Wahrnehmung diskutieren, dann ist der Gegenstand klarerweise eine Angelegenheit wissenschaftlicher Untersuchung und Berichts. Schließlich ging der Arbeit der Autoren ungewöhnliche Publicity voraus, unterstellend, das Stanford Research Institute arbeite in größtem Maßstab an parapsychologischen Projekten ... diese Arbeit rückt diese Vermutung in ein besseres Licht ... es beweist die Begrenzheit der Forschungsprogramme und der Daten ..."
Eingebettet zwischen eine Abhandlung uber den Zweiten Wärmehauptsatz und die Stabilität eines Ökosystems berichten also Targ und Puthoff über ihre Versuche mit Geller und einem weiteren Sensitiven, Pat Price. Titel der Veröffentlichung: ..."Information transmission under conditions of sensory sheilding". Geller, die Versuchsperson, so wird mitgeteilt, wurde während der Versuche in einem isolierten Raum gehalten. Es war ihm unmöglich, optisch, akustisch oder elektromagnetisch mit der Außenwelt zu kommunizieren und die vorbereiteten Targets (oder diejenigen, die erst ausgewählt wurden, als er bereits in der Zelle saß) vorher zu sehen.
Drei verschiedene Verfahren wurden für die Auswahl der Targets angewandt. Das erste (und besonders kritisierte) bestand darin, ein Wörterbuch aufzuschlagen und das erste Wort auszuwählen, das einen zeichenbaren Begriff ergab. so etwa wurden Dinge wie "Knallfrosch", "Weintraube" und "Brücke" gezeichnet und von Geller recht gut wiedergegeben. Da selbsverständlich zumindest eine Person der Forschergruppe (die sich immer außerhalb des abgeschirmten Raumes aufhielt) die Vorlage kannte, ist bei diesen Experimenten nicht zu unterscheiden, ob Telepathie, Hellsehen oder sogar unterschwellige "Normalreize" vorliegen.
Ein zweites Verfahren bestand darin, eine Fülle von Zeichnungen im voraus anfertigen zu lassen, diese in mehrfach versiegelte Umschläge zu stecken und sie, gründlich gemischt, Geller vorzulegen. Da an fünf aufeinanderfolgenden Tagen insgesamt 100 solcher Vorlagen getestet werden sollten, wobei auf einen Tag 20 entfallen wären, paßte Geller angewidert (er "drückte sein Mißfallen über einen solchen Berg von Testvorlagen aus").
Das dritte Verfahren verwendere ausschließlich den SRI-Computer. Dessen graphisches Programm "entwarf" drei Vorlagen: einen Drachen, eine Kirche und ein von einem Pfeil durchbohrtes Herz. Gellers Antworten sind im ersten Fall sehr gut, in den zwei anderen weniger entsprechend.
Was Gellers Metallbiegefähigkeiten anlangt, vermerken die Wissenschaftler lakonisch: "Obwohl in unserem Laboratorium Metallbiegen durch Geller beobachtet wurde, war es uns nicht möglich, solche Beobachtungen mit ensprechend kontrollierten Experimenten zu verbinden, die uns genügend Daten geliefert hätten, um die paranormal Hypothese zu untermauern."
Das mag einem Außenstehenden erstaunlich vorkommen, ist aber insofern einer Erklärung zugänglich, als Sensitive Laboratorien als eher "feindlich" empfinden. Das hat nichts mit möglicherweise vorhandener unbewußter Furcht, als Scwindler verdächtigt zu wurden, zu tun. Est ist eher so, daß angesichts wissenschaftlichen Instrumentariums eine Art Lampenfieber aufkommt, die jene Teile des Körpers, die die Psi-Phänomene steuern, hemmen. Ein Wiener Universitätsprofessor, dir mir gestand, daß er sich seit Jahrzehnten mit paranormalen Versuchen beschäftige, sagte, die Befreagung seines Unterbewußtseins mit Hilfe eines Pendels werde von einem einzigen Skeptiker, der sich mit im selben Zimmer befinde, zemeist völlig unmöglich gemacht.
Ebenfalls von hindernden Einflüssen, wenngleich von vielfältiger und anderer Art, weiß Joseph Hanlon im "New Scientist" ein Lied zu singen: Sien ganzer Bericht über Geller ist eigentlich eine Dokumentation der Nicht-Arbeit, der verpaßten Gelegenheiten, der Frustration.
"New Scientist" installirete "ungewöhnlicherweise" eine Kommission, die Geller untersuchen sollte. Sie bestand aus einem Mitglied der Society for Psychical Research, einem Psychologen, einem Biologen (gleichzeitig Chefredakteur des "New Scientist"), einem Physiker (nÄmlich Joseph Hanlon), einem Stastiker, einem Gerichtsmediziner und einem Fachjournalisten. Trotz anfänglicher Bereitschaft zu Demonstrationen ließ Uri jedoch die Kommission Kommission sein und sie im Juni 1974 telephonisch aus New York wissen: "Ich habe meine Absicht geÄndert ... gerade jetzt habe ich nicht das Gefühl, daß ich mit Ihren Leuten arbeiten sollte." In England hält man auf Formen, und die wörtliche Wiedergabe Uris telephonischer Äußerung kann nicht anders als kritisch gemeint sein.
Der folgende Kurzkommentar ist das beste aus 15 Seiten Hanlon, und die Kernsätze sind im folgenden wiedergegeben: "Ich bin überzeugt, daß der nächste interessante Durchbruch in der Wissenshaft wahrscheinlich hicht von teurer Forschung und Monsterteams in Physik und Biologie kommen wird, sondern von der Forschertätigkeit einzelner und kleiner Gruppen, die sich und den Menschen in Wechselwirkung mit seiner Umgegbung sehen. Biofeedback kann unseren Körper so kontrollieren, wie das noch vor nicht allzu langer Zeit allgemein als gänzlich unmöglich galt. Negative Ionen der Luft scheinen unsere Stimmungen zu beeinflussen usw. In den jüngst vergangenen Jahren wurden diese Gebiete, unter anderen die Parapsychologie, weniger das Tätigkeitsfeld von hoffnungsvollen Amateuren denn von gelernten Wissenschaftlern. Gleichzeitig wurde die große Wissenschaft, zum Teil auch mein eigenes Gebiet, die Hochenergiephysik, unanschaulich. Schließlicht rückt die kontinuierliche Kürzung der Forschungsgelder immer mehr jenen Wissenschaftler ins Blickfeld, der mit einem Minimum an Mitteln auskommt als den, der niemals die enormen Summen zusammenbringen kann, um noch höhere Energien in der Suche nach den Quarks einzusetzen.
Hanlon also begann eigene Untersuchungen. Er sprach lange mit Targ, Puthoff, Mitchell und Mitchells Assistent John White; er gibt sogar eine Beobachtung Whites von der angeblichen Dematerialisation eines Stücks bimorphen Messingstreifens wieder - ein Phänomen, das der gleichfalls anwesende Puthoff nicht bestäigen konnte: "...es hätte leicht jemandem möglich sein können, dieses Stück zwischen den Versuchen abzubrechen, da es unbeobachtet lag ..."
"Und doch", setz Hanlon fort, "glaubt Puthoff implizit an Geller. Ein Ereignis, das ihn überzeugte: Er fur mit Geller in einem Auto über die Autobahn. Er, Puthoff, befragte Geller über fliegende Untertassen, und Geller antwortete, er werde beweisen, daß seine Kräfte von diesen stammten. Prompt brachte er den Wagen zum Stillstand, ohne etwas berührt zu haben."
In der dargelegten Form bleibt ein Hauch von Unseriosität an Puthoff hängen - ein von Hanlon sicher beabsichtigter Nebeneffekt. Haupteinwand gegen Geller ist dessen obstinate Abneigung gegen alle Berufsmagier: In der New Scientist Kommision war ja auch einer, und das habe - so Hanlon - sicherlich den Ausschlag für Gellers Ablehnung gegeben. Tatsächlich wurde während der Demonstration in Wien zwar der Berufsmagier "Magic Christian" im Studio geduldet, allerdings unter der Auflage, nichts zu reden und nichts zu unternehmen.
Hanlon sagt den Berufsmagiern Brotneid nach: "Sie nehmen an, Geller sei ein Trickkünstler wie sei, verdiene aber mehr Geld dadurch, daß er behauptet, er sei mehr als ein Magier."
sehr skeptisch ist Hanlon bezüglich der Teleportationen, wie sie etwa von Puharich und Ray Stanford beschrieben werden. Im Fall Puharich beruft er sich auf ein persönliches Interview mit diesem, das von der im Buch "Uri" mitgeteilten Version abweicht. Danach wäre es Geller möglich gewesen, sich aufgrund einer im voraus von Puharich gegebenen Beschreibung des angeblich de- und rematerialisierten Kameragehäuses von Puharichs 8-Millimeter-Kamera (das in Ossining, New York, vergessen und nach Tel Aviv, "teleportiert" worden sein soll) ein solches in einem Geschäft zu beschaffen und es als "paranormal transportiert" auszugeben. Ein Transatlantik-Telepathitest, der gewiß leichter zu bewerkstelligen gewesen wäre, schlug hingegen fehl.
Die bösesten Unterstellungen sind zweifellos jene, daß Geller in Zahnkronen Minisender eingebaut habe, zu deren Anfertigung Puharich wie kaum ein zweiter geeignet sei, sei er doch Inhaber zahlreicher Patente auf diesem Gebiet, unter anderem des US-Patents Nr 2 995 633 vom 8. 8. 1961, dessen Inhalt Hanlon wie folgt beschreibt: "Die Erfindung schließt ein Element ein, das, in einen lebenden Zahn eingebracht, elektromagnetische Signale von Radiofrequenzen empfangen kann ... sowie einen Umwandler, der diese Signale an die Nervenenden der Zähne weiterleitet, von wo sie zum Gehirn gelangen können ..." Uris hervorragende Ergebnisse bei Hellsehversuchen mit Würfeln (Targ/Puthoff machten insgesamt zehn Würfe; achtmal nannte er die obenliegende Augenzahl richtig, zweimal paßte er) erklären sich für Hanlon simpel mit einem in England um 30 Pfund erhätlichen Würfel, aus dem ein Minisender die obenliegende Augenzahl funkt. Beweise dafür, daß Uri Geller auf diese Weise betrogen hat, bleibt Hanlon freilich schuldig. Er behauptet ja auch nicht, daß es so war; nur, daß es so gewesen sein könnte. Es ist die auch von Prokop im Fall der Gedankenphotographie praktizierte Methode: zu erklären, wie so etwas gemacht werden könnte. Zu behaupten, es sei tatsächlich so gemacht worden, ohne den Beweis hiefür anzutreten, ist Rumford.
Hanlon schließt: "Ich stelle nicht die Integrität der Forscher des SRI in Frage. Aber die Wissenschaft weiß von vielen Beispielen von Wissenschaftlern - oft in großer Zahl -, die sehen, was sie sehen wollen. Marskanäle, Polywasser und die angenommene doppelte Massespitze des A2-Teilchens sind nur drei Beispiele. Mehrere Trickkünstler haben mir erzählt, daß Wissenschaftler ein dankbares Publikum abgeben, da man sie so leicht zum Narren halten kann. Meine Untersuchung des Phänomens Geller stützt diese These. Das SRI-Dokument widerlegt nicht die Masse der sich aus den Umständen ergebenden Beweise, daß Geller einfach ein guter Trickkünstler ist."
Technische Hochschule Wien
Institut für Grundlagen und Theorie der Elektrotechnik
Vorstand: o. Prof. Dr. techn. Hellmut Hofmann"
Ist außer "gewissen paranormalen Fähigkeiten" also nichts festzustellen gewesen?
Vier Monate später berichtet Hans Bender in Wien über seine Erfahrungen mit Geller-Nachwirkungen (Wiener "Kurier" vom 8. 5. 1974).
Seinen Erfahrungen zufolge habe er jahrzehntelang hinter PK-Phänomenen herlaufen müssen, jetzt aber habe er diese in Fülle. Landauf, landab fungierte Geller als Mini-Spuk-Erreger, und vor allem Jugendliche gebe es sonder Zahl, die imstande seinen, Gabeln und Löffel á la Geller zu verbiegen.
Bender untersuchte einige dieser Fälle. Als einer der bemerkenswertesten wurde der einer Frau in Mitteldeutschland sogar polizeilich registriert: in deren Bestecklade bogen sich nicht weniger als 56 Besteckeile schlangengleich! "Wenn von Geller sonst nichts geblieben wäre als tausendfach induziertet Mini-Spuk, wäre sein Verdienst für die die Psi-Forschung schon gewaltig", dozierte der Gewaltige aus Freiburg.
Seine österreichischen Kollegen, die im Auditorium saßen, nickten beifällig, gaben aber ihr Wissen nicht preis: der eine arbeitete gerade an einem Fall in Mödling, der andere an einem solchen in Rechnitz im Burgenland, der dritte hatte im steirischen Kammern einen elfjährigen Eisenbieger an der Hand. Das unausgesprochene Prinzip, paranormale Untersuchungen nur ja nicht vorzeitig an die groß Glocke zu hängen, wurde aller Divergenzen zum Trotz strikte eingenhalten.
Immerhin konnte herausgebracht werden, daß einer der untersuchten Fälle auf Schwindel beruhte und sich daher die Zurückhaltung in der Berichterstattung als segensreich erwies. Andere Fälle jedoch, die schon aufgrund ihrer Persistenz publikationswFällerdig gewesen wären, bliben im Verborgenen. Unter ihnen ist jener damals elfjährigen Karin H. aus einer burgenländischen Gemeinde, die ihre Fähigkeit, Metall zu biegen, erst nach der Wiederholung (!) der GellerSendung im Januar 1974 entdeckte. Ein Team der AGP besuchte sie mehrere Male, und die Fähigkeit war auch im Frühjahr 1975, also ein Jahr später, noch nicht verloren. Der an der Untersuchung beteiligte Physiker brachte es zwar zuwege, gegen den Widerstand der Sensitiven Meßonden an den zu biegenden Besteckteilen anzubringen, registierte jedoch auf seinem Schwingungsmeßgerät ziemlich homogene Frequenzspektren im Bereich zwischen 15 und 15.000 Hertz. Negativ ausgedrückt: Das paranormale Ereignis war auf dem Registrierstreifen in keiner Weise zu erkennen.
Anschließende Versuche im Laboratorium, Löffel mit Hilfe von Schall (auch Ultraschall) hoher Energien zu verbiegen, mißlangen. Die Hypothese vom Sensitiven als Ultraschallgenerator mußte zu den begrabenen Hoffnungen wissenschaftlichen Strebens gelegt werden. Als einzig bemerkenswert verbleibt die Tatsache, daß die Elfjährige auch Löffel (Edelstahl der österreichischen Firma Berndorf) auch dann biegen konnte, wenn das Metall, um Spannungen zu entfernen, vorher ausgeglüht wurde. Daß sich Gabeln und Löffeln just an der schwächsten Stelle biegen, ist auch bei Geller fast immer beobachtet worden.
Wir haben versprochen, am Fall Geller Allgemeingültiges für die Psi-Forschung zu demonstrieren. Was also bleibt nach kritishcher Prüfung des Phänomens übrig?
Trotz unleugbarer Mängel zeigt die Targ-Puthoff-Studie, daß Telepathie mit großer Wahrscheinlichkeit angenommen werden kann. Die Telepathie-Hypothese wird von den Demonstrationen im Schweizer und österreichischen Fernsehen unterstützt.
Gellers Fähigkeiten als Induktor von Mini-Spuk sind zweifelsfrei dokumentierbar, und zwar unabhängig voneinander in allen drei deutschsprachingen Ländern. Dort "entdecken" nach Gellers Fernsehauftritten Menschen plötzlich ähnliche Fähigkeiten an sich. Einige dieser Geschehnisse wurden von Forschern untersucht und auch von Fernsehanstalten und Filmemachern aufgezeichnet.
Was nun von Gellers Fähigkeiten als Metall-Bieger zu halten ist, ist nicht mit einem satz auszudrücken. Ich trete jederzeit als Zeuge für die Behauptung in die Schranke, daß es PK gibt, weil ich die berührungslose Verformung eines Metallgegenstandes selbst zweifelsfrei beobachtet habe. Die Mehrzahl der Einwände gegen die Psychokinese rührt daher, daß Geller die Metallgegenstände zumeist berührt und reibt; um Pk könne es sich - diesen Einwänden zufolge - jedoch erst dann handeln, wenn eine gewisse räumliche Mindestentfernung zwischen Medium und Objekt eingehalten werde. Die deutsche Wochenzeitung "Die Zeit", deren leitender Wissenschaftsredakteur Thomas von Randow notorisch gegen den Faktor Psi wettert, setzte 100.000 DM demjenigen aus, der unter den Augen einer "Zeit"-Jury unter vorgegebenen Bedingungen PK vorführen könne; die vorgegbene Mindestentfernung beträgt einen Meter.
Ich kann darin wenig Sinn erkennen: Hat man es bei PK mit einer Wirkung zu tun, die physikalisch bekannten Strahlungen vergleichbar ist, nimmt die Intensität dieser Wirkung mit dem Quadrat der Entfernung ab. Eine Entfernung zwischen Psychokinet und Objekt von 30 Zentimetern etwa ist in meinen Augen genauso aussagekräftig, würde aber, immer die Strahlungshypothese zugrunde gelegt, mit neunmal großerer Wahrscheinlichkeit zu erwarten sein. Hat man ist jedoch nicht mit physikalisch handhabbaren Wirkungen zu tun, spielen auch großere Entfernungen keine Rolle; in diesem Fall dürfte es überhaupt schwer werden, Ursache-Wirkung-Beziehungen zu erkennen.
Geller hat im SRI-Test keine Schlüssel, Gabeln, Löffel verbogen. Diese Feststellung nehmen viele für einen Beweis gegen PK. Das ist Natürlich grandfalsch, ebenso falsch wir die These, Geller arbeite mit Chemo-Triks, etwa Quecksilbernitrat. Ich habe eine Woche lang quer durch Europa begleitet und glaube, solches ausschließen zu können: Quecksilbernitrat ist hochgiftig, und Geller ist nicht der Mann, ein solches Risiko auf sich zu nehmen - auch wenn oft eingewandt wird, er sei doch im Sechstagekreig Fallschirmjäger und daher mit überdurchschnittlichen Risken vertraut gewesen. Ich glaube, daß das etwas ganz anderes ist, als seine Hände ständig mit Quecksilbernitrat benetzen zu müssen. Anderseits sagen alle, die das Quecksilber-Argument ins Spiel bringen, nur, daß es aus diese Weise möglich sei, Metall zu biegen. Keiner hat jedoch die Verwendung dieser Chemikalie an Geller-Objekten nachweisen können. Obwohl Quecksilberverbindungen in allgemeinen flüchtiger sind als andere Schwermetallsalze, gelang es doch niemandem, auf von Geller gebogenen oder gebrochenen Gegenständen Quecksilber nachzuweisen.
In welcher Richtung weitergesucht werden sollte, erigbt sich aus zwei Gutachten. In dem im "Spiegel" veröffentlichten heißt es über eine gebrochene Gabel des Wiener Hotels Imperial (Liegerung der Firma Berndorf 90/98, schwerversilbertes Alpaka, also eine Kupfer-Nickel-Zink-Legierung): "Die Bruchfläche wurde mit einem Rasterelektronenmikroskop an der zinkenseitigen Bruchhälfte untersucht. Bei 100- bis 200facher Vergrößerung hatte der Bruch vorwiegend ein glattes Aussehen und wies zahlreiche Risse auf; dazwischen lagen kleine duktil gebrochene Bereiche mit hiefür typischer Wabenstruktur. Ein solches Bruschaussehen läßt sich durch das Einwirken einer mechanischen Beanspruchung allein nicht erklären..." Die Metalltechnologen führten nun eine Vergleichsuntersuchung durch, die sie in der Meinung bestätigt, daß Spannungsrißkorrosion, hervorgerufen durch spezifische Reagenzien, vorlag.
Dieses Gutachten ergibt jedoch, mit einem der Eigenössischen Materialprüfungsanstalt Zürich verglichen, eine sinnvollere Erklärung. Professor Fiechter untersuchte nach der Demonstration Gellers in der SRG die dort abgebrochene Schöpfkelle aus Aluminium. Sein Gutachten hat er der SRG mündlich mitgeteilt, aber nie schriftlich ausgefertigt, steht aber noch ein Jahr danach zu seiner Aussage: "Miener Ansicht nach handelt es sich klar um einen Erm"ndungsbruch. Dieser ging von der Bohrung des Stieles, durch den die obere Niete gezogen war, aus. Die Bruchflächen waren vollkommen blank, wogegen der übrige Schöpfer ziemlich "patiniert", also belegt, war."
Ermüdungsbruch heißt der Stiel sah aus, als wäre er an der Bruchstelle viele Male hun - und herbewegt worden. Jeder Fernseher konnte aber am Bildschirm sehen, daß Geller den Schöpflöffel höchstens ein Dutzend Mal aufund abbewegte: ein Ermüdungsbruch setzte hingegen viele Dutzend Bewegungen voraus. Die Schlußfolgerung, daß eine vibrierende, sich möglicherweise resonativ bei einer bestimmten Frequenz (die wahrscheinlich mit der Große und Masse des Gegenstandes in Zusammenhang steht) stabilisierende Wirkung für den Bruch verantwortlich ist, ist nicht von der Hand zu weisen. "Od", "Teleplasma" sind früher gebrauchte, unscharfe Begriffe, die versuchen, das Agens hinter diesen Wirkungen zu beschreiben. Jetzt heißt das "psychische Energie".
Es darf dazugesagt werden, daß die Forschung vermutlich mehr wüßte, wenn sich Geller kooperativer gezeigt hätte. So etwa hat Professor Hofmann in Wien Geller Versuche in seinem (elektrotechnischen) Laboratorium angetragen, Geller aber lehnte ab.
Charles Honorton, mit dem ich New York ausführlich über Geller sprach, kritisierte diese Haltung heftig: "Wir hatten Geller hier, im Maimonides Dream Laboratory. Ich sah ihn selbst - nicht in Experimenten, sondern in informellen Demonstrationen. Ich glaube, daß Geller für die Weiterentwicklung der psychischen Forschung unwichtig ist. Er wird uns nie zu einem Punkt führen, an dem wir mehr über die psychischen Phänomene wissen werden. Er ist an Forschung nicht wirklich interessiert - er ist ein Psycho-Athlet, der eben Aufenthalte in wissenschaftlichen Instituten zur Hebung seines Images braucht. Er ist auch nicht der Typ Mensch, der still sitzt und Versuche über sich ergehen läßt - das braucht aber ein Wissenschaftler." Zwei Minuten später widerspricht sich Honorton und erkennt Geller doch eine nützliche Funktion zu: "Eine Menge sehr anspruchsvoller, seriöser Wissenschaftler sahen Geller im Fernsehen Löffel biegen. Und sie, die nie vorher irgendein Interesse an Parapsychologie genommen haben, waren plötzlich mitten drin, höchst begierig, mehr zu erfahren. Das konnte man mit eigenen Augen sehen. Man brauchte keine Statistik - vergessen Sie nicht, daß die meisten Effekte ja nicht direkt beobachtbar sind. Und da war eben kein Zweifel daß etwas passierte ... der grundlegende Widerstand der außenstehenden Wissenschaftler rührt ja daher, daß es sich um Phänomene handelt, die ihrer Natur nach unbeobachtbar sind."
Gellers Wirkung auf Uhren ist zwar offensichtlich, wissenschaftlich aber wegen der relativ komplexen technologischen Situation schwer überblickbar. Auch hier hängt sehr viel von der Glaubwürdigkeit der Zeugen ab. Der Wiener Uhrmachermeister Andlinger, der Uhren für Uris ORF-Auftritt gangunfähig gemacht hatte, vertrat jedenfalls die Meinung, der mit Gewalt quer durch das Werk einer Uhr geschlagene Stift könne ohne kenntnis des Vorganges und der Anwendung erheblicher Kraft nicht entfernt worden sein. Tatsächlich lag dieser Metallstift jedoch nach der Behandlung durch Uri auf dem Grund des Uhrengehäuses, und die Uhr ging. Mir erscheint die Aussage des Vertrauensmannes der Wiener Uhrmacherinnung unangreifbar.
Die Annahme, daß es sich bei den Geller-Phänomene um echte, allenfalls nur zum Teil um Schwindel handelt, wird durch einen Bericht des kanadischen Parapsychologen A.R.G. Owen gestützt. Owen bereitete im März 1974 die Demonstrationen für Uri Geller im Rahmen einer Aufzeichnung des kanadischen Fernsehens in Toronto vor. Die Gegenstände, die gebogen oder gebrochen wurden, stammten größtenteils aus Owens Privatbesitz. Seiner Ansicht nach kann es sich weder um Taschenspieler- noch um Tricks mit Chemikalien handeln. Als bemerkenswert dürfen einerseits Owens Verwunderung darüber, daß Geller auch in anderen Personen (unter anderen auch in Owens frau Iris) PK-Kräfte induzieren konnte, sowie folgender satz zitiert werden: "Als Gabel und Reilly-Schlüssel untersucht wurden, wurde festgestellt, daß diese an deren schwächsten Stellen zerbrochen waren. Daher kann angenommen werden, daß die paranormalen Kräfte nach einem Gesetz des geringsten Widerstands angreifen."
Abschließend muß Uri Geller als Induktor eines weiteren Phänomens gewürdigt werden, das isch "Psi-Kater" nennen möchte, der sich im eher plötzlichen als nur allmählichen Umschlagen öffentlicher Meinung - nach der anfänglichen Haltung zumeist kritiklosen Glaubens, um nicht zu sagen Aberglaubens - geltend machte. Der eingangs beschriebene Auffassungswandel der Presse ist ja nur Ausfluß dieser Urhaltung breiter Schichten. Vor allem von links wittert man Gefährdung der Demokratie und der Willensfreiheit: "Doch der Umstand, daß sich Militärs für die Parapsychologie interessieren, erinnert Gluthammer daran, wieviel Aggression, Repression, Fachismus eigentlich in den Experimenten mit der Willenkraft liegen: Wer sich nicht biegt, wird gebogen. Immer wird jemandem der Wille eines anderen aufgezwungen ..."
Die Frage, weshalb es sich bei PK-Demonstrationen in der Regel um Mini-Spuk, also letzlich um Unfug handelt, nicht aber handgreiflich Positives produziert wird, ist weithin ungeklärt.
Bekannt sind aber die Reaktionsweisen von Laien auf parapsychologische Evidenzen. Niemand geringerer als der amerikanische Forscher G.N.M. Tyrrell hat das sehr klar ausgedrückt:
"Entdeckungen, die Parapsychologen ans Licht gebracht haben, widersprechen heftig der allgemeinen Auffassung über das Wesen der Dinge. Man kann nicht Tatsachen wie Telepathie oder Präkognition (Vorhersehen) nehmen und sie einfach an dieses einmal anerkannte Verständnis ankleben. Die telepathie erfordert ein grundlegendes Umdenken der geläufigen Vorstellungen von der menschlichen Personalität; die Präkognition erfordert ein erfordertnliches Umdenken in den geläufigen Vorstellungen über die Zeit ... Das Gesamtbild der Welt, das durch die Entdeckungen der parapsychologischen Forschung notwendig wird, zerbricht den naiven Realismus, in dem der menschliche Geist befangen ist ... Ich glaube, daß die Abneigung gegen parapsychische Phänomene vor allem auf einem halbbewußten Instinkt beruht, der die Menschen bewegt, sich zur Verteidigung eines Realismus im Sinn des "gesunden Menschenverstandes" zusammenzutun. Es handelt sich dabei in gewissen Sinn um eine Art Reaktion zur Verteidigung eines Glaubensbekenntnisses ... Daher weicht bei den Menschen die Betroffenheit über Fälle von zwingender parapsychischer Evidenz und bisweilen selbst über eigene parapsychische Erfahrungen so rasch wieder dem gewohten Selbst- und weltverständnis..."
Dem ist nichts hinzuzufügen.